Gicht: Vorbeugung und Behandlung

Im letzten Ratgeber haben wir Möglichkeiten zur Behandlung eines Gichtanfalls vorgestellt. Nochmals: jede Therapie wird individuell vom Arzt festgelegt!
Jetzt gehen wir vor allem auf die Vorbeugung und die ernährungsspezifischen Möglichkeiten der Behandlung der Gicht ein.
Vorbeugung:
Sie besteht in einem gesunden Lebensstil. Jeder kennt ihn: genügend frische, saisongerechte Mahlzeiten, ein im Normbereich liegendes Gewicht und tägliche freudebereitende Bewegung.
Präventive Massnahmen und Therapiemöglichkeiten:
Das Problem sind die erhöhten Werte der Harnsäure im Blut (im Fachausdruck Hyperurikämie). Sie müssen auf einen für das Individuum erträglichen Wert gesenkt werden. Medikamentös geschieht das mit verschiedenen Wirkstoffen. Die einen reduzieren die Bildung von Harnsäure (Wirkstoffe: Allopurinol und Febuxostat) und die anderen erhöhen deren Ausscheidung (Wirkstoff: Probenecid). Da bei der Entstehung bzw. dem Auftreten der Erkrankung viele Faktoren eine Rolle spielen und besonders die Ernährung wichtig ist, gehen wir jetzt vertieft darauf ein. Jede Therapie benötigt eine Änderung des Ess- und Trink-Verhaltens. Sie ist ein Schwerpunkt der Therapie!

  • Ein vorhandenes Übergewicht muss primär angegangen werden. Dies ist eine der grossen Herausforderungen
    unserer Zeit. Wir essen zu viel und zu „gut“!
  • Eine ausreichende Trinkmenge muss ebenfalls erreicht werden. Das heisst es müssen täglich mindestens 2
    Liter (bis 3 Liter) ungesüsste alkoholfreie Getränke konsumiert werden. Ungesüsst: keine
    fruchtzuckerhaltigen Limonaden! Eine hohe Zufuhr von Fruchtzucker kann offenbar die Harnsäurekonzentration im
    Blut erhöhen! Dabei ist Cola scheinbar noch schlimmer als andere Limonaden. Alkoholfrei: insbesondere
    Bier und Spirituosen sollten möglichst weggelassen werden. Alkohol erhöht die körpereigene Produktion von
    Harnstoff und hemmt gleichzeitig die Ausscheidung! Und Bier (auch alkoholfreies!) enthält zusätzlich Purine (ein
    Baustoff der Harnsäure) und ist daher als Ersatz nicht geeignet. Kaffee hingegen scheint einen positiven
    Einfluss auf die Harnsäurewerte zu haben. (Das andere koffein = teein-haltige Getränk wie Tee scheinbar leider
    nicht).
  • Purinreiche Lebensmittel sollten vermindert konsumiert werden: Fleisch- und Wurstwaren aller Art; Innereien; die
    Haut von Geflügel und auch von Fisch!; Schweinefleisch; Fleischextrakte; Fertigsaucen- und Suppen; Hefepasten;
    Krustentiere (und wenige Gemüse wie Schwarzwurzel, Spinat und Kohlarten).
  • Allgemein sollte die Kalorienaufnahme reduziert werden, insbesondere die Kohlenhydratmenge.

Tja, was soll man dann essen?

  • Gemüse, die oben erwähnten eben ein wenig weniger!
  • Vermehrt Milchprodukte: sie regen die Ausscheidung von Harnsäure an. Dieser Effekt wird auf die Milchproteine
    Kasein und Laktalbumin zurückgeführt. Bitte aber eher fettarme Lebensmittel bevorzugen.
  • Nachdem Fleisch und auch Fisch! eher vermindert konsumiert werden sollten, werden pflanzliche Eiweissquellen
    wichtig! Eine gute Kombination steigert die Verwertbarkeit der Eiweisse für den Körper: Beispielsweise Ei
    (natürlich tierisch) in Kombination mit Kartoffeln in einem Gratin, oder Milch mit Getreide in einem
    Birchermüsli. Die früher verpönten pflanzlichen Purinquellen wie Hülsenfrüchte scheinen keinen Einfluss auf die
    Entstehung von Gicht zu haben und müssen daher nicht mehr eingeschränkt werden.
  • Puringehalt verschiedener Lebensmittel (in mg Harnsäure/100g).

Bitte die Mengen sind ausschlaggebend!!!

Lebensmittel Puringehalt pro 100 g
Fleischextrakt 3300 mg
Innereinen 250 – 550 mg
Thunfisch 257 mg
Sardellen 239 mg
Kalb-/ Schweinefleisch 100 – 150 mg
Kalbsbratwurst 91 mg
Eier 5 mg
Mich / Milchprodukte 0 / 0 – 30 mg
Obst / Gemüse 10 – 30 mg

Merken:

  • Allfälliges Übergewicht gemächlich reduzieren max. ½ kg/ Woche
  • Kein Fasten (kann den Körper mit Purinen überschwemmen und einen Gichtanfall auslösen)
  • Täglich mindestens 2 Liter ungesüsste Getränke trinken
  • Alkoholhaltige Getränke (insbesondere Bier (auch alkoholfreies) und Spirituosen meiden
  • Konsum von Fleisch, Geflügel, Innereinen, Fisch und Meeresfrüchte einschränken
  • Vegetarische Tage einschalten
  • Milchprodukte in den täglichen Speiseplan einbauen, fettarme Varianten bevorzugen
  • Bei einem Verdacht auf einen akuten Gichtanfall viel Wasser trinken und den Arzt aufsuchen!

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