Zecken Erkrankungen 2: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Unser 2. Ratgeber ist der seltenen viralen Krankheit gewidmet, die durch den Stich/Biss einer infektiösen Zecke übertragen wird. Im Gegensatz zur Borreliose gibt es keine spezifische Behandlung, aber eine wirksame Impfung.

Das BAG überwacht die FSME seit 1988 im obligatorischen Meldesystem für Infektionskrankheiten. Es zeigen sich grosse Schwankungen (39 bis 332). Die Fallzahlen steigen und zeigen dieses Jahr (Angaben bis Ende Juli) den Höchststand.

Ein Grund dafür ist die Klimaveränderung mit milden Wintern und wärmeren Sommern. Man kann ein Informationsblatt zur Zeckenenzephalitis auf der Homepage des BAG herunterladen.

Die Erkrankung verläuft bei 70 bis 90% ohne Symptome! Ansonsten sieht man 2 Phasen: Beginn mit grippeähnlichen Symptomen, (bei den meisten Erkrankten endet damit die Infektion). Bei 20-30 % setzt die zweite Phase ein: Befall des zentralen Nervensystems (Hirnhaut oder Gehirnentzündung). Der Verlauf ist bei Erwachsenen schwerer als bei Kindern.

Erscheinungsbild/Symptome:

Das FSME-Virus wird beim Biss/Stich aus der Speicheldrüse der Zecke übertragen. Nach 2 bis 20 Tagen treten in der frühen Phase (Dauer 4-6 Tage) Fieber, Kopf-, Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Gelegentlich kommt es zu neurologischen Symptomen wie Sehstörungen. Danach folgt eine kurze Zeit ohne Beschwerden. Bei dem grössten Teil der Patienten 70 bis 80% ist damit die Erkrankung abgeschlossen.

Bei 20 bis 30% der Infizierten kommt es wenige Tage später zu einem zweiten Fiebergipfel mit bis zu 40°C Körpertemperatur. Es treten auch Zeichen einer Gehirn- und Hirnhautbeteiligung auf. Das sind z.B. starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit Lichtempfindlichkeit, Schwindel, Sprech-, Gehstörungen und Lähmungserscheinungen. Diese Erscheinungen können mehrere Monate andauern. Glücklicherweise kann es selbst nach schweren Verläufen zur völligen Ausheilung kommen. In dieser 2. Phase kommt es bei der Hälfte der Patienten zu einer Hirnhautentzündung. Andere leiden zusätzlich unter einer Entzündung des Gehirnes mit schweren Bewusstseinsstörungen und Lähmungen hin bis zur Atemlähmung. Bei 1 bis 2 % führt die Erkrankung zum Tod.

Behandlung:

Wie bereits gesagt gibt es keine ursächliche Behandlung. Es können nur die Symptome gelindert werden. Bettruhe und allenfalls Schmerzmittel werden in den «einfacheren» Fällen gegeben, Intensivmedizinische Betreuung bis zur Beatmung braucht es bei den schlimmen Verlaufsformen.

Vorbeugung:

Die allgemeinen vorbeugenden Massnahmen sind immer an erster Stelle zu nennen. Daher gilt: adäquate Kleidung tragen, Repellentien = Zeckenabschreckende Sprays anwenden und Impfen!

Da bei Kindern ein milderer Verlauf beobachtet wird gelten die Impfempfehlungen erst ab 6 Jahren.

Impfen:

Gemäss BAG ist die ganze Schweiz mit Ausnahme der Kantone Genf und Tessin FSME-Risikogebiet. Eine gute Zeit zum Impfen ist logischerweise in den Wintermonaten (keine Zeckenaktivität). Die Grundimmunisierung erfordert 3 Injektionen (ein zeitlich begrenzter Schutz existiert bereits nach der 2. Injektion). Die ersten beiden Impfungen werden im Abstand von einem Monat verabreicht, die 3. (je gewählter Impfstoff) 5 bis12 Monate später. Auffrisch-Impfungen werden alle 10 Jahre empfohlen. Nebenwirkungen sind selten und verschwinden in der Regel nach 1 bis 2 Tagen (Rötung, Schmerz und eine kleine Schwellung bei der Einstichstelle). Die Kosten werden von der Grundversicherung übernommen, bei beruflicher Notwendigkeit (Förster, Waldarbeiter u.a.) bezahlt der Arbeitgeber.

Bleiben Sie gesund

Ihr Team der Vinzenz Apotheke